Roadtrip durch Washington State

Washington, USA / 2018

Washington State – The Evergreen State. Wie grün und ursprünglich die Natur im Nordwesten der USA wirklich ist, erleben wir im Olympic Nationalpark mit seinen Regenwäldern, wilden Stränden und stürmischen Berggipfeln; und auch im Mount Rainier Nationalpark mit seinen riesigen Gletschern. Sogar mit Metropole Seattle ist saftig grün – und das nicht nur auf die Natur bezogen.

Von Oregon nach Washington

01 / Long Beach

Auf unserem 3-wöchigen Oregon-Washington-Roadtrip lassen wir Oregon jetzt hinter uns. Kurz hinter der Staatsgrenze nächtigen wir in einem gemütlichen Motel in Long Beach. Der Ort verdient den Namen zurecht, schließlich bietet Long Beach mit 28 Meilen den längsten Sandstrand der Welt. 

Unser Hauptziel in Washington State ist der Olympic Nationalpark. Nicht nur der Weg zur Olympic Peninsula und in den äußeren Winkel des Bundesstaates ist weit, sondern auch der Weg, den Park zu umrunden, sehr lang. Long Beach an der Südwestgrenze des Washington State ein sehr geeigneter Startpunkt auf unserer Route, um innerhalb eines halben Tages in den Olympic Nationalpark zu fahren.

So folgen wir dem Highway 101 weiter nach Norden. Die Natur verändert sich zusehends, sie wird immer schroffer, wilder, ursprünglicher. Den Blick auf die Küste haben wir mittlerweile gegen endlose Wälder eingetauscht; unzählige vollbeladene Timber-Trucks biegen von rechts und links aus dem Dickicht auf die Straße. Nach insgesamt 3 Stunden Fahrtzeit erreichen wir den Rand des Olympic National Parks.

Regenwald, Berge & wilde Küste

02 / Olympic Nationalpark

Aufgrund der exponierten Lage haben sich im Olympic einige Tier- und Pflanzenarten entwickeln können, die nur in diesem Park vorkommen. Während der Küstenbereich stark zerklüftet und oft in Nebel eingehüllt ist, finden sich besonders im Westen dichte Regenwälder, während mitten im Park die Olympic Mountains mit dicken Gletschern bedeckt sind.

Durch den dichten Regenwald

03 / Hoh Rain Forest

Nach einem ersten Stop am Lake Quinault, in dessen Wasseroberfläche sich die umliegenden Wälder spiegeln, ist es nur noch ein kurzer Weg zum Hoh Rain Forest. Er ist sogar kürzer als uns lieb ist, denn: Zu unserer großen Enttäuschung ist der Weg zum Visitor Center und dem berühmten "Hall of Mosses" Trail wegen Straßenarbeiten gesperrt. Damit ist eines der absoluten Highlights im Olympic für uns unzugänglich.

Knapp auf der Hälfte der 50 km Strecke bis zu diesem Visitor Center, stoßen wir auf ein kleines Dörfchen und beziehen eine Hütte fast mitten Wald. Mit viel Glück im Unglück finden wir einen 5 Kilometer langen Trail in der Nähe, der uns direkt in den Regenwald führt. Wir fühlen uns sehr stark an unsere Touren durch Costa Rica erinnert, wenngleich dieser Regenwald nur eine Miniaturausgabe des mittelamerikanischen Regenwaldes abgibt. Die Äste der hohen, jahrhundertealten Zedern und Douglastannen sind mit Moos geschmückt, das oft meterlang an ihnen herunter hängt. Vorbei an riesigen Farnen stapfen wir Richtung Hoh River, der jetzt im Herbst kaum noch Wasser führt. Vom Flussbett aus haben wir einen guten Blick auf Mount Olympic – unser Ziel für morgen.

Wir lassen den Tag auf unserer Front Porch ausklingen. Nachdem die Sonne untergegangen ist, wird es frisch – und richtig dunkel. Es gibt weit und breit keine fremde Lichtquelle, wir sehen nichts als Schwarz vor unseren Augen und nur einen sternenübersäten Himmel. Es ist eine sehr eigenartige Erfahrung, da wir nur jede Menge Geräusche hören, aber rein gar nichts sehen! Überall knackt es im Geäst, und vermutlich sind Dutzende Augen verschiedener Tiere gerade auf uns gerichtet.

Ein Strand voller Treibholz – in XXL

04 / La Push

Wir lassen den Hoh Rain Forest hinter uns und erreichen Fork, ein kleines Städtchen an der Westseite des Parks. Es ist der Schauplatz der berühmten "Twilight-Saga" von Stephenie Meyer, die nicht nur als Buchausgabe sehr erfolgreich war, sondern auch als 5-teiliger Kinofilm.

La Push, eine kleine Gemeinde direkt an der Küste, ist in der Saga die Heimat der Vampire. Diese Geschichte interessiert uns weniger, wir konzentrieren uns lieber auf die fünf Strände. Allen voran ist der First Beach ein wilder Strand, wie man ihn nur schwer beschreiben kann: Überall im Sand verteilt liegen riesige Mammutbäume, die von den Flüssen und ins Meer getrieben wurden. Um die immensen Ausmaße zu begreifen und zu beschreiben, stellen wir uns direkt mit in die tollen Fotomotive.

Wo die wilden Lachse wandern

05 / Sol Duc Valley

An der Nordseite des Olympic Nationalpark, kurz vor dem Lake Crescent, führt die Straße hinein tief in das Sol Duc Valley. Der Fluss Sol Duc, dessen Name übersetzt "Sprudelndes Wasser bedeutet", hat seinen Namen zurecht verdient. Im sprudelnden, quierligen Fluss können wir an Cascades Overlook Lachse beobachten, wie sie gegen den Strom die 10 Meter hohen, zweistufigen Wasserfälle hinaufwandern.

Am Ende der Zufahrt ins Tal erwartet uns ein weiterer, 5 km langer Trail. Durch dichten, moosbewachsenen Wald wandern wir zu den Sol Duc Falls; hier stürzt der Fluss in eine tiefe Schlucht, was gerade jetzt im Indian Summer dank der gelb-orangen Blätter ein großartiger Anblick ist.

Stürmische Aussichten

06 / Hurricane Ridge

Letzte Station unserer Olympic National Park Tour ist Hurrican Ridge – die bergigste Gegend des Parks. Von Port Angeles im Nordosten führt die Straße in engen Serpentinen hinauf auf etwa 2.000 Meter. Hier oben pfeift trotz des sonnigen Herbstwetters ordentlich der Wind … irgendwo her muss diese Region ja ihren Namen haben. Der Panoramablick auf die umliegenden Berge, insbesondere auf den Mount Olympic mit seinen Gletschern, ist wunderschön und sehr lohnenswert. In nördlicher Richtung haben wir bei besten Bedingen sogar freien Blick bis nach Vancouver Island in Kanada.

Abstecher in eine Viktorianische Hafenstadt

07 / Port Townsend

Bevor wir die Weiterfahrt nach Olympia, der Hauptstadt des Bundesstaates Washington, antreten, entscheiden wir uns spontan für einen letzten Abstecher. In knapp 30 Minuten abseits des US-101 erreichen wir die kleine Hafenstadt Port Townsend am Puget Sound, die uns mit ihrer Vielzahl an sehr gepflegten, niedlichen Viktorianischen Häusern überrascht. Mittendrin: das imposante Jefferson County Courthouse. In der Historischen Altstadt nehmen wir uns die Zeit, entlang unzähliger historischer Geschäfte, Boutiquen, Galerien und Cafés zu bummeln. Schade, dass wir nicht noch mehr Zeit haben – sehr gerne wären wir hier über Nacht geblieben.

Gletscher und Wasserfälle rund um den Vulkan

08 / Mt. Rainier Nationalpark

Vorab ein paar Zahlen zum Mt. Rainier National Park: 900 km2 Fläche, davon 97% unberührte Wildnis. 90 km2 Gletscherfläche, wobei der Carbon Glacier der größte Gletscher der USA außerhalb Alaskas ist. 2 Millionen Besucher pro Jahr. Wenn diese Fakten noch nicht beeindrucken, dann wenigstens der Anblick des 4.400 Meter hohen Vulkans Mount Rainier. Wir haben ihn bereits gestern aus weiter Ferne sehen können, von der Ostflanke der Olympic Peninsula. Doch jetzt aus nächster Nähe ist das Wahrzeichen des Bundesstaates Washington noch imposanter!

Über den Highway 410 umrunden wir den Park nach Osten (als Teil des Chinook Scenic Byway) und machen unseren ersten Stopp am Tipsoo Lake. Im spiegelglatten See, umgeben von saftig-grünen Wiesen mit bunten Wildblumen, spiegelt sich der Mount Rainier und gibt ein märchenhaftes Bild ab.

Weiter geht es entlang der Panoramastraße nach Süden, und dann am Stevens Canyon Entrance nach Westen, Richtung Paradise. Die Straße windet sich durch bunte Bergwiesen hinauf zum Visitor Center. Der Parkplatz hier platzt aus allen Nähten – kein Wunder, denn wie sich zeigt, kommen wir hier dem Vulkan und dessen Gletscher am nächsten. Von hier aus führen diverse kürzere Wanderwege durch bunte Wiesen zum Gletscher. Wir entscheiden uns für den direkten Weg, der uns jetzt richtig viel abverlangt. Denn der schmale Teerpfad steigt in einem etwa 30-Grad-Winkel steil bergauf, auf kurzer Strecke legen wir 200 Höhenmeter zurück; es zieht in den Waden, und die dünne Luft hier oben trägt ihren Teil dazu bei, dass wir noch schneller außer Puste geraten. Doch die Anstrengung lohnt sich: Der Ausblick auf den Gipfel und die Gletscher ist atemberaubend – ganz sicher eines der Highlights auf unserem Roadtrip!

Vulkanausbruch vor 40 Jahren

09 / Mount St. Helens

Über Longmire und Elbe halten wir uns auf unserem weiteren Streckenverlauf nach Süden. Unser nächstes Ziel: der 2.500 Meter hohe Mount St. Helens. Dieser ebenfalls noch aktive Vulkan ist zuletzt 1980 ausgebrochen und hat dem Berg seine typisch vulkanische Kegelform geraubt, als bei der Eruption die gesamte Westflanke weggesprengt wurde. Erst langsam regeneriert sich das Umfeld des Mt. St. Helens, das heute als National Monument ausgewiesen ist.

Weil der Streckenverlauf günstiger für uns ist, wollen wir den Vulkan von der Ostseite aus anfahren. Doch schon wieder haben wir Pech mit gesperrten Straßen: Die Zufahrt einige Meilen hinter dem Ort Randle ist aufgrund von Erdrutschen gesperrt. Es gibt absolut kein Durchkommen und keine Alternative – was für uns bedeutet, dass wir nicht nur den kompletten Weg zurückfahren müssen (2 Stunden umsonst), sondern auch noch weitläufig bis zur Interstate 5 das Gebiet umrunden müssen. Damit fällt der Besuch von Mount St. Helens mit einem einigen Stopp-Schild komplett ins Wasser.

Somit erreichen wir unfreiwillig frühzeitig Portland und sind damit zurück in Oregon. Was wir dort noch erleben, erfährst du in unserem ausführlichen Reisebericht zum Roadtrip durch Oregon.

Seattle, die lässige Metropole

10 / Seattle

Die letzte Station auf unserer dreiwöchigen Reise ist Seattle. Kunst und Kultur prägen diese Metropole ebenso wie Grunge, Pop und Rock. Mittendrin: die Space Needle – das berühmte Wahrzeichen der Stadt – die Waterfront, der Pike Place Market und ganz viel Grün. Weil es in Seattle viel zu erleben gibt, haben wir der Stadt im Nordwesten der USA einen eigenen Bericht gewidmet: unser Reisebericht über Seattle beinhaltet viele weitere Tipps für den Abschluss einer wunderbaren Reise.

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Unsere Route

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© 2018 Hendrik Breuer & Rebecca Breuer