Salton Sea

Kalifornien, USA / 2016

Zuerst kam eine Naturkatastrophe. Daraus entstand dann ein Freizeitparadies für Hollywood, und schließlich ein ökologischer Albtraum. Die Salton Sea bietet eine postapokalyptische Kulisse, die zumindest noch als Foto-Modell taugt.

Sealton Sea – Willkommen in der Post-Apokalypse

Die Geschichte um die Salton Sea ist spannend, dramatisch und traurig zugleich. Eher zufällig habe ich diesen völlig skurrilen Ort entdeckt, ohne zu wissen, was es damit auf sich hat. Als ich zum ersten Mal in 2003 in Palm Springs war, hatte ich mich beim Blick auf die Karte gefragt: Was macht ein so großer See mitten in der Wüste? 2016 hatte ich endlich ausreichend Zeit, der Sache auf den Grund zu gehen.

Entstanden durch eine Naturkatastrophe

Erhebliche Regenfälle sorgten Anfang des 20. Jahrhunderts dafür, dass ein spärlich gesicherter Bewässerungskanal am Colorado River brach – mit der Folge, dass sich fast der komplette Colorado River über zwei Jahre lang in das Salton Bassin nähe Palm Springs ergoss. So entstand der 70 km lange und 30 km breite Salton Sea.

Aufstieg zum Freizeitparadies Hollywoods

In den 1950er und 1960er Jahren hatte sich der Salton Sea zu einem bedeutenden Freizeitparadies für Hollywood entwickelt, quasi einem "Palm Springs mit Stränden", und bekam den Namen "Salton Sea State Recreation Area". Es entstanden zahlreiche Yacht-Clubs, Luxus-Hotels und Motels, Restaurants, Camping-Plätze. Auf dem See wurde geangelt, Wasserski gefahren, Speedboot-Rennen wurden ausgetragen. Und es wurde ein Zuhause für unzählige Vogelarten.

Absturz zum ökologischen Albtraum

Da der See weder über einen Zufluss noch über einen Abfluss verfügt, handelt es sich um ein sehr sensibles Ökosystem. Seit Jahrzehnten steigt deshalb der Salzgehalt des Wassers konstant und liegt heute deutlich über dem Salzgehalt des Meeres. Und aus der Landwirtschaft wird eine hohe Konzentration an Düngemitteln in den See geschwemmt. Immer mehr organisches Material sinkt dadurch zum Boden des Sees und verfault, immer mehr giftiger Schwefelwasserstoff entsteht. Und mit ihm immer mehr Gestank. Das labile Ökosystem begann in den 1970er Jahren umzukippen, Millionen toter Fische und Vögel werden seitdem an die Strände gespült.

Heute ein sehr bizarrer Ort

Aufgrund des raschen Absturzes dieses Ferienparadieses verließen die Menschen fluchtartig ihr Urlaubsparadies. Die Motels, Restaurants und Trailer ließen sie einfach zurück. Der Zahn der Zeit gibt heute den Blick frei auf ein post-apokalyptisches Szenario, wie man es selten findet: Alles ist zerfallen, verrottet, mit Graffitis verziert. Orte wie Bombay Beach, Salton City oder Desert Shores haben etwas martialisches und faszinierendes zugleich. Nur wenige Menschen sind geblieben und hoffen auf Besserung. Wie sie den erbärmlichen stechenden Gestank in der Luft aushalten, der rund um die Salton Sea in der Luft hängt, ist uns unerklärlich.

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© 2018 Hendrik Breuer & Rebecca Breuer