Ecuador

Ecuador / 2019

Von Quito, der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt, führt unsere Reise in das Andenhochland zu riesigen schneebedeckten Vulkanen und Kraterseen, über den Wallfahrtsort Baños, bis in den Amazonas-Dschungel – wo wir ohne Strom, Internet und Warmwasser drei Nächte verbringen wollen. Zum Abschluss der Reise besuchen wir die pulsierende, tropische Hafenstadt Guayaquil, ehe wir nach Galapagos weiterreisen.

Experimente an der Äquatorlinie

01 / Intiñan Solar Museum

Nach 12 Stunden Flug von Amsterdam erreichen wir am späten Nachmittag endlich Quito. Unsere Unterkunft ist ein gemütliches Boutique-Hotel im Stadtteil La Floresta, zahlreiche Restaurants liegen nur einen Steinwurf entfernt. Gut, dass die Wege nach der anstrengenden Anreise so kurz sind! Quito liegt auf ca. 2.800 Metern und ist damit die höchstgelegene Hauptstadt der Welt – die dünne Luft macht uns bereits bei der Ankunft zu schaffen. Im Verlauf unserer Reise werden wir das noch häufiger zu spüren bekommen.

Am nächsten Morgen ist unser erstes Ziel eines der Highlights von Quito: die Äquatorlinie. Die meisten Besucher steuern dafür das mächtige Äquatordenkmal „Mitad del Mundo“ an. Einst bestimmte der Franzose Charles Marie de La Condamine während einer Expedition 1736 als Erster diesen Punkt als den exakten Verlauf des Äquators. Doch heute, im Zeitalter moderner GPS-Geräte, weiß man, dass der richtige Äquator gute 240 Meter nördlich des Denkmals verläuft. Deshalb sparen wir uns den Eintritt zum Obelisk, und besuchen stattdessen das Intiñan Solar Museum. Die geführte Tour durch das Museum kostet 4 USD pro Person und ist jeden Cent wert.

Der erste Teil dieser Tour beschäftigt sich mit den Kulturen der Ureinwohner Ecuadors, wie den Shuar, einem Indianerstamm aus dem Amazonas-Dschungel. Wir besuchen einige Nachbauten ihrer Hütten, erfahren über ihr Sozialverhalten – und sind geschockt als wir lernen, dass sie berühmt für ihre „Schrumpfköpfe“ sind: Sie trennen ihren Feinden den Kopf ab, ziehen die Haut vom Schädel, kochen die Haut ab um den Kopf um ein vielfaches zu verkleinern, und füllen schließlich die Haut mit heißen Steinen um sie zu konservieren – und dann haben sie die Köpfe zum Beispiel auf ihre Speere gesteckt oder um den Hals getragen, zur Abschreckung ihrer Gegner.

Der zweite Teil widmet sich ganz dem Äquator. Wir experimentieren mit einem Wasserbecken, dessen Wasser direkt auf bzw. 2 Meter rechts oder links der Äquatorlinie durch einen Abfluss läuft. Die Strudelrichtung ändert sich mit oder gegen den Uhrzeigersinn bzw. fließt direkt auf dem Äquator ohne Strudel direkt ab. Bei einem anderen Experiment schaffen wir es, ein rohes Ei auf einem Nagel auszubalancieren.

Richtig sprachlos macht uns erst die nächste Aufgabe: mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Armen über die Äquatorlinie laufen. Klingt leicht? Es ist fast unmöglich, das Gleichgewicht zu halten! Während der Körper auf der nördlichen oder südlichen Hemisphäre nur einer Anziehungskraft entgegensteuern muss, ist der Körper direkt auf der Äquatorlinie gezwungen, beide Kräfte ausgleichen – und das führt zu einem fast vollständigen Gleichgewichtsverlust, so als sei man betrunken.

Quito – die Stadt der Kathedralen

02 / Old Town Quito

In der Altstadt spazieren wir von einer imposanten Kathedrale zur nächsten und bewundern ihre bis ins kleinste Detail verzierten Blattgoldspielereien. Durch enge Gassen geht es steil hinauf zum Local Market, während die Busse uns ungehindert ihre Abgase ins Gesicht blasen (Abgasregelungen sind in Ecuador offenbar ein Fremdwort). In dieser Markthalle gibt es reichlich Obst und Gemüse von lokalen Farmern, Fisch und Fleisch in allen Variationen, und sogar Schamanen, die mit ihren Kräuterzusammenstellungen so manches Wehwehchen behandeln.

Während wir durch die Altstadt schlendern, verdrängen wir schnell die Probleme, welche die Stadt hat: Verkehrschaos, schlechte Kanalisation, Wassermangel, oder hohe Arbeitslosigkeit. Stattdessen erfreuen wir uns an den Indiofrauen mit ihren Babys, eingewickelt in bunte Tücher, auf dem Rücken tragend; Jungen, die geschickt in die Busse springen und den Passagieren Zeitungen und Obst verkaufen; Marktfrauen, Lotterieverkäufer und Schuhputzer, die alle ihren Lebensunterhalt erstreiten müssen. Doch hinter all den bunten, intensiven Farben versteckt sich eine Menge Armut, Elend und Leid.

Cotopaxi Nationalpark: Auf einer Hacienda in den Anden

03 / Cotopaxi Nationalpark

Wir lassen Quito hinter uns und reisen nach Süden. Unser Ziel ist der Cotopaxi, mit knapp 6.500 Metern der zweithöchste noch aktive Vulkan der Erde. In Machachi biegen wir ab und schrauben uns ab dort über Kopfsteinpflaster hoch in die Anden. Das Auto quält sich und schaukelt uns ordentlich durch. Je höher wir kommen, umso malerischer und einsamer wird die Landschaft. Nach knapp zwei Stunden erreichen wir die „Hacienda el Porvenir“, ein wunderschönes, typisch südamerikanisches Farmhaus. Direkt hinter der Hacienda erstrecken sich endlose grüne Wiesen, während über ihnen der mächtige schneebedeckte Cotopaxi thront. Was für ein imposantes Motiv!

Wir befinden uns jetzt auf 3.500 Metern, die Luft ist ziemlich dünn und macht uns noch mehr zu schaffen. Doch wir lassen uns nicht abschrecken, ziehen uns warm an und wandern drauf los. In der Nähe befindet sich ein Wasserfall – eine gute Möglichkeit, um sich an die Gegebenheiten zu gewöhnen. Wie sich herausstellt, hat sich der Weg zum Wasserfall nicht gelohnt; deshalb gehen wir immer weiter bergauf und folgen einem schmalen Trampelpfad. Eine Kuppe folgt der nächsten, es scheint endlos zu sein … dann plötzlich sehen wir ihn ganz dicht vor uns: der mächtige Cotopaxi! Frei von Wolken, bildet seine Schneedecke einen krassen Kontrast zu dem knallblauen Himmel.

Ausritt auf 3.800 Meter

Wie in den Bergen üblich, ändert sich das Wetter innerhalb von Minuten. Plötzlich ziehen dunkle Wolken auf, ein Gewitter ist im Anmarsch. Bei schwerem Donner erreichen wir gerade noch rechtzeitig die Hacienda und wärmen uns vor dem Kamin. Am nächsten Morgen unternehmen wir einen neuen Anlauf, dem Vulkan etwas näher zu kommen. Dieses Mal auf dem Rücken von zwei Pferden, begleitet von einem echten ecuadorianischen Cowboy. Das Wetter spielt dank dichter Wolken zwar nicht mit, doch der Ausblick auf die endlosen Weiten der Anden bleibt uns dennoch gegönnt. Von hier oben wird uns erst klar, dass der Cotopaxi nicht der einzige Vulkan in der Nähe ist – sondern wir sind umzingelt von gleich sieben (!) Vulkanen.

Dünne Luft unterhalb der Schneegrenze: 4.500 Meter

Am nächsten Tag unternehmen wir einen dritten Anlauf. Dieses Mal fahren wir mit dem Auto direkt in den Nationalpark hinein. Schon kurz hinter dem Gate zeichnet sich der formschöne Vulkankegel wie ein „riesiges Monster“ am Horizont auf. Wir fahren durch eine weite ursprüngliche Steppe, die übersät mit kleinen bis mittelgroßen Felsen ist – allesamt stammen sie vom letzten großen Ausbruch in 2015, als der Cotopaxi sie kilometerweit herausgespuckt hat.

Über eine steile Schotterpiste und in engen Serpentinen schrauben wir uns von 3.500 Metern immer weiter die Nordflanke des Vulkans hinauf. Unser Allrad-Jeep arbeitet schwer, immer wieder muss unser Fahrer neuen Anlauf finden. Direkt unterhalb der Schneegrenze auf 4.500 Metern ist dann Endstation, ab hier geht es nur noch zu Fuß weiter. Als wir aus dem Auto steigen, wird uns stark schwindelig – die Luft ist super dünn, und es weht ein scharfer kalter Wind. Gerne würden wir den letzten Part bis zur dicken Eisschicht wandern, doch wir verzichten. Der Weg besteht aus extrem rutschigem Sand, und der Schwindel ist zu stark, weshalb wir auf weitere körperliche Anstrengungen verzichten. Stattdessen genießen wir wenigstens den grandiosen Ausblick auf das majestätische Areal, machen uns auf den Rückweg und atmen bei einer kleinen Wanderung zu Füßen des benachbarten Vulkans Rumiñahui tief durch.

Smaragdgrüner Kratersee des Quilotoa-Vulkans

04 / Laguna Quilotoa

Wir verlassen den Cotopaxi Nationalpark am Südende und folgen der E35, die ein Teilstück der Panamericana ist – der berühmten Schnellstraße, die Alaska mit Feuerland verbindet. Unser nächstes Ziel ist der Quilotoa, der westlichste Vulkan der ecuadorianischen Anden. Von Planchaloma aus führt die Straße hinauf in die Berge, durch kleine Dörfer und vorbei an tiefen Schluchten. Es beginnt zu schneien, dichter Nebel raubt uns jegliche Sicht. Nach 3 Stunden Fahrt erreichen wir den kleinen Ort direkt am Rand der Caldera, auf 3.900 Metern.

Das Wetter macht uns weiterhin einen Strich durch die Rechnung, bei dem Nebel können wir keine 30 Meter weit sehen. Enttäuscht kehren wir in einer kleinen Gaststätte ein, um uns aufzuwärmen und zu stärken. Dann ist das Glück doch noch auf unserer Seite: Die Wolkendecke reißt plötzlich auf! So bekommen wir doch noch die Gelegenheit, vom Rand der Caldera auf den smaragdgrünen Kratersee zu blicken. Eine Wanderung hinunter zum See (ca. 2 Stunden hin und zurück) oder entlang der Caldera (ca. 5 Stunden) reizt uns sehr, ist bei dem Regen jedoch unmöglich. Der Boden ist matschig und butterweich, somit genügt uns der Ausblick von einer kleinen Plattform, die sich kurz unterhalb des Kraterrands befindet.

Der perfekte Vulkankegel des Tungurahua

05 / Baños

Bevor wir auf der Weiterreise die Anden gegen die tropische Hitze des Amazonas-Dschungels tauschen, wollen wir im Wallfahrtsort Baños im Süden noch einen Zwischenstopp einlegen. Die Fahrt vom Quilotoa zieht sich bis spät in den Tag. Nur wenige Kilometer vor Baños passieren wir den Vulkan Tungurahua, der nach wie vor zu den aktivsten Vulkanen in Ecuador gehört. Es ist das klassische Bild eines Vulkans, wie ihn jedes Kind zeichnen würde: ein spitz zulaufender Kegel mit „abgebissener“ Spitze. Die untergehende Sonne beleuchtet den Tungurahua zunächst violett und taucht ihn wenige Augenblicke später in ein feuerrot-oranges Szenario. Wir fühlen uns zurück in die Urzeit versetzt.

Baños ist ein wahres Wanderparadies für Trekking-Touristen und Abenteurern. Von der kleinen Stadt im Hochland führen Wege zu rauschenden Wasserfällen, durch üppig bewachsene grüne Wälder oder zu heiß-dampfenden Thermalquellen. Außerdem bietet die Gegend eine Menge Aktivitäten wie Reiten, Mountainbiking, Rafting, Klettern, Paragliding oder Bungee-Jumping. Da es schon spät am Abend ist und wir viel zu viel Zeit verloren haben, können wir leider nichts von diesen Angeboten wahrnehmen – stattdessen genießen wir den Blick über die Stadt von unserem Hotel aus.

Unser Experiment:
Raus aus der Komfortzone –
rein in den Dschungel

06 / AMAZONAS-DSCHUNGEL

Wir wollen an unsere Grenzen gehen und jegliche Komfortzone verlassen: Für 3 Tage haben wir uns 70 km tief in den Amazonas-Dschungel Ecuadors zurückgezogen. Ohne Strom, ohne Netz, ohne Warmwasser. Nur Kerzen, Feuer und Taschenlampe. Zumindest war das der Plan.

Was am Tag ein großes Abenteuer war, änderte sich mit Einbruch der Dunkelheit schlagartig, als die Natur die volle Kontrolle übernimmt. Wie es uns im Dschungel ergangen ist, und ob wir unser „Experiment“ durchgezogen haben, liest du in unserem separaten Erlebnisbericht.

Entspannung in den Thermen von Papallacta

07 / Papallacta

Nach der krassen Erfahrung im Dschungel haben wir das dringende Bedürfnis, uns zu entspannen und wieder richtig sauber zu werden. Das Dörfchen Papallacta, nur 60 Kilometer östlich von Quito hoch oben in der Sierra gelegen, ist für seine heißen Quellen bekannt, welche durch die nahen Vulkane beheizt werden. Das Wasser stammt aus tieferen geologischen Schichten und ist im Gegensatz zu vielen anderen heißen Quellen geruchs- und farblos. Genau sowas brauchen wir jetzt! In einem kleinen Hotel oberhalb des Dorfes lassen wir es uns zwei Tage lang richtig gutgehen.

Wenn wir nicht in einem der kleinen Bäder im Wasser liegen, unternehmen wir Wanderungen in nahegelegene kleine Regenwälder oder essen in einfachen Restaurants bei den Locals. Wertvolle Zeit, um die vielen Eindrücke der vergangenen Tage zu verarbeiten.

Guayaquil – eine Hafenstadt mit wenig Charme

08 / Guayaquil

Letzte Station auf unserer Ecuador-Rundreise ist die Hafenstadt Guayaquil am Pazifik. Die wachsende Metropole hat sich zum wirtschaftlichen Zentrum Ecuadors entwickelt, was allein an der Vielzahl an modernen Gebäuden und einem halben Dutzend Wolkenkratzer sichtbar wird. Das Zentrum der Stadt hingegen mit seinen historischen Bauten, zeitgenössischer Architektur und jeder Menge Grün ist jedoch der wahre Magnet für jeden Besucher.

Mitten im Zentrum liegt der Seminario-Park. Die Grünanlage ist wegen der vielen Echsen auch als Leguanpark bekannt. Den friedlichen Tieren kommt man sonst nur auf Galapagos so nahe. Von hier aus sind es nur vier Blöcke bis zur Uferpromenade, dem Malecón 2000. An der direkt am Flussufer des Guayas liegende, großzügige Promenade spazieren wir vorbei an historischen Fassaden, Brunnen, Skulpturen – aber auch an Spielplätzen, Kinos und einer Shopping Mall. Als Stadterneuerungsprojekt ist der Malecón 2000 irgendwie ein Fremdkörper in dieser Stadt, über dessen Schönheit man geteilter Meinung sein kann.

Vielmehr interessiert uns der nördlich gelegene Las-Peñas-Bezirk. Dieser Stadtteil ist der älteste und schönste Teil von Guayaquil, ein beliebtes Viertel voller traditioneller bunter Häuser, Restaurants, Läden und quirligen Cafés. Hier leben zahlreiche Künstler, weshalb Las Peñas ein Anziehungspunkt für Kunstliebhaber ist. Eine Straße mit 444 Stufen (alle durchnummeriert) führt uns bis auf den Gipfel des Hügels Cerro Santa Ana. Von hier aus genießen wir die beeindruckende Aussicht auf die Stadt, den Fluss sowie auf die bunten Favelas des Cerro Del Carmen.

Damit neigt sich unsere Ecuador-Rundreise, zumindest auf dem Festland, dem Ende zu. Weiter geht es für uns zum nächsten großen Highlight, den Galapagos-Inseln.

Unsere Route

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte rechnen Sie 9 plus 2.
© 2019 Hendrik Breuer & Rebecca Breuer