Angkor Wat
und Phnom Penh

Kambodscha / 2018

Die Region Angkor in Kambodscha: Auf einer Gesamtfläche von 200 Quadratkilometern liegen rund 1.000 Tempel-Ruinen verstreut, alle über 900 Jahre alt, mitten im dichten Dschungel. Die Hauptdarsteller unter ihnen: Angkor Wat und Ta Prohm! Doch Kombadscha hat noch mehr zur bieten. Und die Weiterreise über den Mekong nach Vietnam gestaltet sich zu einem echten Abenteuer …

Willkommen in der Welt der Tempel

01 / ANGKOR

Angkor – eine Region im nördlichen Kambodscha, mit Angkor Thom in ihrem Zentrum, der einstigen Riesenstadt des Khmer-Königreiches. Über 900 Jahre alt, über 1 Million Einwohner, und auch sonst ein Superlativ mitten im Dschungel von Kambodscha: Auf einer Gesamtfläche von 200 Quadratkilometern liegen rund 1.000 Tempel-Ruinen verstreut. Im 15. Jahrhundert verließen die Khmer plötzlich ihr Machtzentrum in Südostasien, und ließen damit auch ihre Tempel zurück – bis heute kennt niemand den Grund dafür. Erst vor 150 Jahren entdeckten die französischen Kolonialherren das versunkene Königreich.

Wenn von Angkor die Rede ist, ist zumeist Angkor Wat gemeint - der größte Tempel der Welt und damit auch der bekannteste! Kein Wunder, dass Angkor heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Doch bei aller Imposanz gibt es auch eine Kehrseite der Medaille: Längst ist Angkor eine der meistbesuchten Attraktionen Südostasiens. Der Tourismus boomt so sehr, dass den Ruinen der erneute Verfall droht; sie sind dem Besucheransturm nicht mehr gewachsen. Vor diesem Hintergrund sind unsere Gefühle gemischt, denn auch wir tragen mit unserem Besuch zu dem Verfall bei.

Sprachlos in Kambodscha: Ta Prohm

02 / TA PROHM

Nach unserer Ankunft in Kambodscha haben wir uns schnell an das subtropische Klima Südostasiens gewöhnt, wir freuen uns sogar über die Wärme, schließlich steckt uns die Kälte Hong Kongs noch in den Knochen. Der perfekte Ausgangsort für einen Besuch der Tempelanlagen von Angkor ist die Stadt Siem Reap.

Siem Reap können wir nicht viel abgewinnen: Es ist ein typisches Touristenzentrum. Mittendrin liegt die Pub Street, in der sich zahlreiche Restaurants und Bars die Klinke in die Hand geben. Nachts geht hier ziemlich die Post ab! Gleich nebenan findet jeden Abend der Night Market statt, der uns im ersten Moment ganz gut gefallen hat … bis wir von Einheimischen erfahren haben, dass nicht ihnen das Geld zugute kommt, sondern chinesische Firmen hinter den Marktständen stecken. Das alles ist gar nicht unser Ding, deshalb möchten wir gar nicht weiter auf Siem Reap eingehen. Worüber wir allerdings richtig begeistert sind, sind die unbeschreibliche Freundlichkeit und Herzlichkeit, mit denen uns die Menschen hier begegnen. Und zwar auch außerhalb der Touristenzentrum, wenn das Geld der Europäer nicht im Fokus steht!

Gleich am nächsten Tag haben wir mit Borin einen einheimischen Guide gefunden, der uns acht Stunden lang über das gigantische Gelände Angkors führt. Um dem Trubel der Touristenmassen zu entgehen, plant Borin eine spezielle Route für uns – so haben wir die beste Chance, die meisten Tempelanlagen fast für uns allein zu haben. Die mystische Wirkung ist enorm und Jedem, der die Bauwerke nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kaum zu beschreiben.

Besonders beeindruckt uns Ta Prohm. Dieser 800 Jahre alte Tempel ist die perfekte Kulisse für "Indiana Jones" oder "Tomb Raider" Geschichten (tatsächlich war dieser Tempel Drehort für "Tomb Raider" mit Angelina Jolie, auch wenn diese Kulisse den schlechten Film nicht retten konnte). Nachdem die Khmer im Mittelalter die Tempel fluchtartig verlassen hatten, ist der Dschungel der neue Hausherr von Ta Prohm. Die riesigen Wurzeln der Würgefeigen mit ihren Lianen umklammern die Mauern und haben die Tempelgebäude seit Jahrhunderten fest im Griff. Es ist der halbverfallene Zustand und die schiere Kraft der Natur, die uns so imponieren.

Die 50 Tempeltürme von Bayon

03 / BAYON TEMPLE

Noch schwer beeindruckt von Ta Prohm, führt uns Borin als nächstes in die "Große Haupstadt" Angkor Thom. Flankiert von Balustraden mit je 54 Statuen – Götter auf der linken Seite, Dämonen auf der rechten – passieren wir das Victory Gate, eines von fünf Tortürmen. Schon bald stehen wir vor dem Bayon Tempel mit dem Antlitz König Jayavarmans und schauen auf die meterhohen Türme hinauf, die aus dem Dschungel hervorragen. Von jedem der 50 Türme lächelt das in Stein gehauene Gesicht von König Jayavarman herab. In die Wände der Galerien, die den zentralen Tempelberg umgeben, sind mit höchster Präzision unzählige Gesichter und filigrane Muster gemeißelt – sie alle zeigen Kriegs- und Alltagszenen aus dem Leben der Khmer zu dieser Zeit.

Gerne würden wir diesen riesigen Komplex in Ruhe wirken lassen, doch auch unser Guide kann nicht ändern, dass uns die Besuchermasse jetzt zur Mittagszeit einen dicken Strich durch die Rechnung macht. Wir ziehen weiter, vorbei an der Terrasse der Elefanten und der Terrasse des Lepra-Königs sowie weiteren kleineren Tempeln – und kommen schließlich zum Höhepunkt von Angkor: Angkor Wat!

Angkor Wat – der Tempel aller Tempel

04 / ANGKOR WAT

Borin hat einen Plan – und wir merken erst am Ende, welcher das ist! Wir nähern uns Angkor Wat bewusst von Osten und betreten die Tempelanlage quasi durch die Hintertür. Der Dschungel lichtet sich und ein riesiges freies Areal tut sich vor uns auf. Im Gegenlicht der brennenden Sonne erkennen wir die lotusförmigen Tempeltürme vor uns, umrahmt von einzelnen Palmen: Angkor Wat, das Chichén Itzá Kambodschas, nur 30 mal größer – immerhin misst Angkor Wat 1 Kilometer in der Länge!

Neben der schieren Größe finden wir bemerkenswert, dass der aus Sandstein erbaute Tempel perfekt konstruiert ist. Die einzelnen Steine sind spiegelglatt geschliffen, die gesamte Konstruktion kommt ohne Lehm, Mörtel o.ä. Materialien aus – es passt nicht einmal ein Blatt Papier in die Fugen. Die langen Galerien sind schnurgerade gezogen und ergeben eine saubere Flucht. Was heute selbstverständlich im Bau ist, war vor 900 Jahren eine Meisterleistung!

Wir dringen tiefer in den Tempelkomplex ein, der einst als Tempelberg konzipiert war und aus insgesamt drei Ebenen besteht. Wie auch im Bayon Tempel finden wir viele Reliefs und in Stein gemeißelte Abbildungen und Episoden aus der hinduistischen Mythologie. Leider ist besonders Angkor Wat dem Kunstraub durch organisierte Banden zum Opfer gefallen, die hunderte Statuen und Kunstwerke der Angkor-Periode entwendet haben.

Der Tag neigt sich dem Ende, und damit auch unsere Tour mit Borin. Wir verlassen Angkor Wat nach Westen, und jetzt verstehen wir, welchen Plan unser Guide verfolgt: Als wir uns umdrehen, stehen wir vor einem der beiden Teiche und haben den vollen Blick auf Angkor Wat, wie sich der Tempelkomplex im Wasser spiegelt. Es ist der Tempel aller Tempel und ein Motiv, wie man es schon so oft auf Bildern gesehen hat. Borin hat den ultimativen Moment für das Ende unserer Tour aufgehoben – was für eine grandiose Zugabe an einem ohnehin schon beeindruckenden Tages!

Auf einen Besuch am frühen Morgen zum Sonnenaufgang haben wir bewusst verzichtet. Die Tempelanlagen rund um Angkor Wat sind ohnehin schon sehr stark besucht. Besonders zum Sonnenaufgang und Sonnenuntergang strömt gefühlt ganz Siem Reap zum Angkor Wat, um das farbintensive Naturschauspiel zu beobachten. Für uns war der Tag absolut perfekt, das holt ein Sonnenaufgang nicht noch mehr heraus!

Reicht 1 Tag für Angkor?

05 / ANGKOR

Bei ein paar kalten Bieren am Abend versuchen wir, den Tag Revue passieren zu lassen und die Eindrücke zu verarbeiten. Es fällt uns schwer! Theoretisch reicht ein einziger Tag, um die wichtigsten Tempel Angkor Wat, Bayon Tempel und Ta Prohm zu besuchen. Doch neben der Tatsache, dass Angkor wesentlich mehr zu bieten hat als nur die oben genannten Tempel, können wir das Erlebte kaum begreifen.

Deshalb entschließen wir uns, morgen nochmal auf eigene Faust loszuziehen und mieten uns noch an diesem Abend zwei Fahrräder bei einem nahe gelegenen Vermieter – für gerade einmal umgerechnet 10 Euro zusammen!

Für 20-30 Euro pro Tag hätten wir ganz bequem ein Tuk Tuk mieten können, doch wir wollen selbstständig und maximal flexibel bleiben. Ein Roller scheidet ebenso wie ein E-Bike aus: Für ersteres verlangt zumindest die Polizei einen Führerschein (auch wenn der Vermieter nicht danach fragt), und für zweiteres hält der Akku nicht über die Distanz bzw. ist das Netz an Ladestationen zu grobmaschig. Also: Radfahren ist die beste Lösung!

30 Kilometer bei 30 Grad –
Angkor auf eigene Faust

06 / ANGKOR – TEIL 2

Noch sind die Temperaturen erträglich, als wir am nächsten Morgen auf unsere Mountainbikes steigen. Heute nehmen wir eine andere Route – was sich schnell als Fehler erweist. Denn die dreispurige Straße quer durch Siem Reap ist verstopft von Hunderten Autos und Tausenden Rollern. Wir schlucken Staub und Abgase, doch irgendwie ist es auch cool, dass wir mittendrin stecken!

Nach einigen Kilometern müssen wir abbiegen, doch wie sollen wir bloß bei diesem Verkehr die Straße queren? Mittlerweile kennen wir das Prinzip des Straßenverkehrs in Südostasien: Einfach machen! Einfach den Arm rausstrecken und losradeln. Von ganz rechts kommend schaffen wir es bis zum Mittelstreifen. Geschafft! Jetzt "nur" noch durch den Gegenverkehr … Hendrik fährt voraus, tritt in die Pedale, und Rebecca folgt nach dem Motto "Augen zu und durch". Es funktioniert! Der Gegenverkehr geht vom Gas, bremst, umkurvt uns, alles ohne Gehupe. Es war ganz einfach, und so machen wir es für den Rest des Tages.

In aller Seelenruhe steuern wir wieder Ta Prohm an. Hier genießen wir die Stille, ruhen uns aus und saugen die Atmosphäre in uns auf. Weiter radeln wir durch kleine Dörfer, vorbei an Reisfeldern, und lassen weitere Tempel hinter uns. Die Sonne brennt, und auch die Luftfeuchtigkeit sorgt für reichlich Schweiß, als wir den Dschungeltempel Preah Khan erreichen. Wie Ta Prohm, werden auch diese Tempelmauern nach und nach von Baumwurzeln umschlungen und zerdrückt. Nach einer kleinen Mittagspause treten wir gut gestärkt wieder in die Pedale, statten am Ende unserer Tour Angkor Wat erneut einen Kurzbesuch ab und geben nach 30 Kilometern schließlich die Räder zurück. Wir sind geschafft und glücklich!

Kambodscha gestern und heute:
Die hässliche Fratze des Krieges

07 / HINTERGRUND-GESCHICHTE

Unser Guide Borin versorgt uns nicht nur mit der Geschichte rund um Angkor, sondern auch mit Details zu den Ereignissen und Schicksalen von ganz Kambodscha und den Khmer. Schon im Vorfeld hatten wir uns mit der tragischen Geschichte Kambodschas auseinander gesetzt, doch von Borin und auch anderen Einheimischen erfahren wir alles aus erster Hand: über die Vorherrschaft durch Thailand und Vietnam, die Kolonialisierung durch Frankreich, und ganz besonders über die Schreckensherrschaft der Roten Khmer, deren systematischer Terror die Großeltern-Generation in den "Killing Fields" und durch Landverminung drastisch dezimiert hatte. Dabei sind die Folgen der Verminung weithin sichtbar: Menschen, die von Landminen verstümmelt wurden, sind überall in Kambodscha zu finden. Bis heute ist die Gefahr der Minen nicht gebannt, denn rund 40% aller Landminen sind noch nicht gefunden und entschärft – so kommt es vor, dass in der Regenzeit die Minen in die Dörfer gespült werden.

Nach Aussage derer, die wir gesprochen haben, ist die Hoffnung der jungen Generation auf eine bessere Zukunft groß. Trotz lähmender Korruption der aktuellen Regierung und offensichtlicher Ungerechtigkeiten blicken die jungen Khmer nach vorne und sind extrem offen für Einflüsse von außen – und natürlich sind sie dankbar für Tourismus, der eine enorme Einnahmequelle darstellt.

Weiterreise nach Phnom Penh

08 / PHNOM PENH

Eigentlich sollten wir am nächsten Morgen um 7 Uhr am Bootsanleger in Siem Reap stehen. Der Plan war, mit dem Speedboat quer über den Tonle Sap – dem riesigen, fischreichen Binnensee – nach Phnom Penh weiterzureisen. Doch wir haben keine Lust auf die mindestens 7-stündige Überfahrt, deshalb buchen wir kurzerhand einen Flug mit JC Airlines. Das geht schneller und ist komfortabler.

Am Nachmittag landen wir in Phnom Penh und entscheiden uns, nach dem Hong Kong Städtetrip nicht schon wieder eine Großstadt zu besichtigen. Doch wir werden schwach – wir können einfach nicht stillsitzen und uns ausruhen. Unsere Unterkunft in Phnom Penh liegt schön zentral, also raffen wir uns auf und laufen los.

Der Königspalast (Royal Palace) mit der Silberpadoge liegt nur einen Steinwurf entfernt, direkt am River Walk entlang vom Mekong. Wir zahlen den Eintritt und schauen uns alles im Schnelldurchlauf an, denn wir merken, dass wir heute eigentlich keine Lust auf Entdeckungen haben. Durch den angrenzenden Park lassen wir auch das Unabhängigkeitsdenkmal (Independence Monument) links liegen. In einer Seitenstraße finden wir ein ganz kleines Lokal mit kambodschanischer Küche und stürzen uns auf das großartige Essen. Zugegeben, eine Pause tut uns doch richtig gut!

Über den Mekong nach Vietnam –
abenteuerlicher geht es nicht!

09 / MEKONG-RIVER

Unsere Zeit in Kambodscha neigt sich dem Ende. Wir wollen nicht anonym an irgendeinem Flughafen ausgespuckt werden, deshalb haben wir entschieden, mit dem Boot über den Mekong River nach Vietnam weiterzureisen. Doch irgendwas klappt nicht mit der Kommunikation, als wir unser planmäßiges Boot verpassen. Mit Händen und Füßen suchen wir nach einer Lösung, heute doch noch einen Kahn zu ergattern. Immerhin halten wir die Tickets bereits in der Hand!

Nach zwei Stunden der Warterei signalisiert uns ein etwas abgewrackter Fährmann, dass gerade noch ein Boot am Pier angelegt habe, das uns nach Vietnam bringen würde. Wir sind erleichtert und können gar nicht so schnell gucken wie unsere Taschen auf dem Boot landen. Doch … sind wir etwa die einzigen Passagiere, die jetzt mit zwei Vietnamesen auf die 5-stündige Flussfahrt gehen? Uns überkommt kurz ein mulmiges Gefühl mit Kopfkino: Würden wir mitten auf dem Mekong einen über die Rübe bekommen, würde man die Breuers nie mehr wiederfinden! Aber wir haben volles Vertrauen in die Menschen und schieben solche Gedanken schneller beiseite, als sie gekommen sind. Dafür werden wir mit einem einmaligen Erlebnis belohnt:

Wir lassen die Silhouette von Phnom Penh hinter uns, das Stadtbild weicht einer saftiggrünen Landschaft mit Bananen- und Reisplantagen. Immer wieder winken wir Fischern auf ihren Booten zu oder beobachten das Leben in den Hütten, die notdürftig an das Flussufer gezimmert sind. Während sich die Sonne immer weiter dem Horizont nähert und die Landschaft in ein kräftiges Gold taucht.

Nach vier Stunden nähern wir uns der kambodschanisch-vietnamesischen Grenze. Das Boot legt am kambodschanischen Grenzposten an, wir klettern von Bord und lassen unseren Pass an einem der Schalter abstempeln. Plötzlich steht ein Vietnamese hinter uns, kassiert unsere Pässe ein und signalisiert uns, wieder auf das Boot zu steigen. Er spricht kein Englisch – und wir kein vietnamesisch. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als ihm Folge zu leisten. Er klettert ebenfalls zu uns ins Boot, es legt ab und überquert die Grenze, ehe es nun am vietnamesischen Grenzposten anlegt. "5 minutes" oder so ähnlich gibt man uns zu verstehen, als der Mann wieder von Bord geht. Aus fünf werden zehn, dann 20 Minuten. Kein Mensch in Sicht, kein Betrieb, es ist nichts los. Was dauert da so lange? Nach 30 Minuten unsicheren Wartens kommt er endlich wie aus dem Nichts an Bord und drückt uns die abgestempelten Pässe in die Hand. Xin Chao! – Hallo, Vietnam!

Unsere Route

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© 2018 Hendrik Breuer & Rebecca Breuer