Quer durch Vietnam –
Teil 2: Die Mitte

Vietnam / 2018

Von der alten Kaiserstadt in Hue aus erkunden wir mit dem Fahrrad das Thanh Toan Village, begleiten einen Fischer bei der Arbeit und kochen mit Farmern ein vietnamesisches 5-Gänge-Menü. Weiter geht es über Da Nang nach Hoi An, in die Stadt der Lampions. Natürlich darf ein Traumstrand auf der Insel Phu Quoc nicht fehlen …

Hue – die alte Kaiserstadt

01 / HUE

Wir lassen den Süden Vietnams und Saigon hinter uns. Der Temperaturunterschied zu Zentral-Vietnam ist jetzt, Mitte Februar, ziemlich groß: Das Thermometer in Hue ist von 30 auf 15 Grad gefallen, und es hat seit Tagen heftig geregnet. Wir machen das beste daraus …

Hue liegt am Ufer des Parfümflusses und war von 1802 bis 1945 die Hauptstadt Vietnams. Im Vietnam-Krieg hat die Stadt ebenfalls eine zentrale Rolle gespielt, denn die Grenze zwischen Nord- und Südvietnam verlief nur wenige Kilometer nördlich der Stadt. Dementsprechend hart umkämpft war Hue, was nicht nur zu vielen menschlichen Verlusten führte, sondern auch zu erheblichen Beschädigungen der gesamten Stadt, allen voran der Verbotenen Stadt (Kaiserstadt) aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist der Hauptgrund für unseren Besuch in Hue.

Unser Anlaufpunkt ist die Zitadelle, welche die Verbotene Stadt einfasst. Sie ist eine Miniaturausgabe des Kaiserpalastes in Peking und in den 90er Jahren zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt worden. Vom Stadtzentrum in Hue lässt sich die Kaiserstadt problemlos zu Fuß erreichen. Wir queren nur einmal die Brücke über den Parfümfluss und stehen kurze Zeit später vor den Toren der imposanten Zitadelle. Von den einst 300 Gebäuden im Innern der Kaiserstadt sind heute noch rund 40 Bauwerke erhalten bzw. restauriert worden. Man merkt der Stadt ihr Alter deutlich an, besonders bei dem wolkenverhangenen Himmel wirkt sie etwas erdrückend. Und dennoch vermittelt die Verbotene Stadt einen guten Eindruck aus der prachtvollen Kaiserzeit. Wir fühlen uns wie in einer chinesischen Zeitkapsel!

Thanh Toan – Dicht am vietnamesischen Dorf-Alltag

02 / THANH TOAN

Mit My, einer Studentin aus Hue, wollen wir am nächsten Tag eine ausgedehnte Radtour raus aufs Land machen. Unser Ziel ist das Thanh Toan Village. Unterwegs erzählt uns My viel aus ihrem Leben in Hue und ist sogar bereit, ganz offen mit uns über die Probleme und Folgen des Vietnam-Krieges zu sprechen. Wieder führt unsere Tour durch grüne Reisfelder und vorbei an wunderschönen Pagoden. In Thanh Toan angekommen, treffen wir uns mit einem Fischer. Er hat uns eingeladen, einen Einblick in seinen Alltag zu werfen und so paddeln wir in seinem schmalen Boot hinaus auf den Fluss. Nur einige Momente später landen ein paar Fische sowie zahlreiche Schnecken in unserem Netz.

Wieder festen Boden unter den Füßen, lassen wir es uns nicht entgehen, den lokalen Markt zu besuchen. Ähnlich unseren deutschen Bauernmärkten, ist hier von Gemüse über Obst bis zum Fleisch das Angebot groß – bloß die "Präsentation" ist anders. Ganz pragmatisch hocken die Menschen auf dem Boden und bieten laut durcheinander schnatternd ihre Waren an. Beim Anblick des Fleisch-Angebots vergeht uns allerdings der Appetit, denn wie auch in anderen Ländern (hier erinnern wir an Zanzibar) liegt das Fleisch samt Gedärme offen herum – eine perfekte Einladung für alles, was krabbeln und fliegen kann.

Kochen bei Farmern zuhause

03 / THANH TOAN

Unser nächster Halt ist ein kleiner Bauernhof am Dorfrand. Wir sind von Hanh eingeladen, ihr beim Wässern und Bewirtschaften ihrer kleinen Felder zu helfen – auf ganz einfache, vietnamesische Art. Als Dankeschön kochen wir gemeinsam mit ihr ein 5-Gänge-Menü, und Hanh zeigt uns, wie schnell und einfach man ein Kohlefeuer ohne Feuerzeug entfachen kann. Die vietnamesische Küche gefällt uns von Tag zu Tag besser – man könnte meinen, dass wir auf dieser Reise nichts anderes tun als essen.

Bevor wir die Rückfahrt nach Hue antreten, statten wir Hanhs Nachbarin einen Besuch ab. Die Dame ist über 70 Jahre alt und verdient ihren Lebensunterhalt mit dem Bau von Asiatischen Kegelhüten. Hier erfahren wir einen sehr ergreifenden Moment, der uns stark über unser Leben reflektieren lässt – und den wir deshalb im nächsten Abschnitt besonders hervorheben möchten.

Momente wie diese:
Von Asiatischen Kegelhüten
und dem Vietnam-Krieg

04 / VIETNAM-KRIEG

Eigentlich wollten wir Hanhs Nachbarin nur einmal über die Schulter schauen, wie sie in akribischer Handarbeit die klassischen Asiatischen Kegelhüte (Non La) aus Bambus fertigt. Die Dame ist jenseits der Siebzig. Seit sie körperlich nicht mehr in der Lage ist, jeden Tag auf den Reisfeldern zu arbeiten, hat sie sich in der Region um Hue einen guten Ruf mit der Fertigung der Kegelhüte erarbeitet. Denn im Gegensatz zu maschinell gefertigten Hüten sind handgefertigte deutlich robuster und langlebiger. In einem Monat kann sie maximal 10 Hüte bauen, und bekommt dafür umgerechnet gerade einmal 30 Euro, von denen sie ihr ganzes Leben bestreiten muss.

Plötzlich verfällt die Dame in einen minutenlangen Monolog, den wir leider nicht verstehen können. Doch mit My haben wir eine Dolmetscherin, die uns schon bald die Lebens- und Leidensgeschichte der Dame erklärt: wie sie im Vietnam-Krieg ihren Ehemann verloren hat, wie sie ihre Kinder verloren hat, wie sie durch eine Explosion ihr rechtes Gehör verloren hat und bis heute unter den Folgen einer Nasenerkrankung leidet; wie sie während des Krieges vergewaltigt wurde und dass sie sich von ihrem Einkommen nicht einmal neue Flip-Flops leisten kann. In ihrer einfachen Hütte hockt sie auf dem Beton-Fußboden – außer einem Bett, einem Tisch und zwei Stühlen sind keine Möbel vorhanden.

Dieser Moment berührt uns sehr und macht uns einmal mehr deutlich, wie unterschiedlich die Leben auf diesem Planeten sind und wie unfair das Leben manchmal spielt. Was in unserer Wohlstandsgesellschaft oft zu einem Problem hochgespielt wird, ist nichts im Vergleich zu den Problemen, die diese Menschen bewältigen müssen. Wir schämen uns etwas, sind einmal mehr geerdet und sehr dankbar für die Möglichkeiten, die das Leben uns bietet. Auch solche Momente machen das Reisen für uns aus!

Wenn in Hoi An das Licht angeht –
Unterwegs in der Stadt der Lampions

05 / HOI AN

Wir lassen Hue hinter uns und folgen der Küste nach Süden, über den Hoi An Pass nach Da Nang. Auf den ersten Blick scheint Da Nang eine ganz hübsche Küstenstadt zu sein, doch als wir die östliche Seite der Stadt erreichen, bekommen wir es mit der Angst zu tun: Über mehrere Kilometer wird Hotelklotz an Hotelklotz aus dem Boden gestampft, vornehmlich für chinesische und russische Touristen gedacht, wie wir den Bauschildern entnehmen können. Es wird nur wenige Jahre dauern, bis Da Nang ein völlig überlaufenes Touristenzentrum in Zentral-Vietnam ist.

Schließlich erreichen wir das Fischerdorf Hoi An. Über die "Stadt der Lampions" haben wir schon viel gehört und gelesen. Im ersten Moment sind wir etwas erschrocken, denn die Altstadt mit ihren über 800 kleinen historischen Geschäftchen ist ein maßlos überfüllter Touristenmagnet. Es ist kein Wunder, denn Hoi An beeindruckt durch eine wunderschöne Architektur. In den kleinen Gassen und engen Straßen hängen tausende Lampions, und es reihen sich unzählige Restaurants und Cafés aneinander. In den Boutiquen und Ateliers lässt sich zudem hervorragend shoppen!

Der ganz große Wow-Effekt in Hoi An stellt sich ein, nachdem die Sonne untergangen ist und in Hoi An die Lichter angehen. Dann wird die Altstadt in ein buntes Meer an Farben getaucht, während auf dem Thu Bon Fluss bunt beleuchtete Boote vor einer bunt beleuchteten Kulisse schwimmen – ein unvergleichlicher Moment.

Unsere Zeit in Südost-Asien neigt sich dem Ende. Wir merken mittlerweile, dass wir uns viel zugemutet haben, denn wir sind ganz schön geschafft. Das hängt auch damit zusammen, dass Asien ein sehr "lautes" Reiseziel ist: viele Menschen, lauter Verkehr, gemischt mit der Schwüle und Hitze … all das ist nicht ganz leicht zu nehmen. Deshalb freuen wir uns auf ein paar Tage Auszeit auf der Insel Phu Quoc.

Auszeit auf Phu Quoc:
Das Boutique-Hotel "Cassia Cottage"

06 / PHU QUOC

Ein strammes Programm von 20 Tagen Südost-Asien liegt hinter uns. Jetzt haben wir das dringende Bedürfnis nach Entspannung und Chillen. Das geht am besten auf der Insel Phu Quoc im Süden Vietnams, am Golf von Thailand. Phu Quoc ist ein tropisches Inselparadies, das früher zu Kambodscha gehörte, und bis vor wenigen Jahren als Geheimtipp unter den Backpackern galt. Doch wie es mit Geheimtipps so ist: Im Zeitalter des Internets bleibt nichts geheim. Und so entwickelt sich Phu Quoc zunehmend zu einem einzigen Vergnügungspark am Strand.

Im "Cassia Cottage" finden wir die Ruhe, die wir suchen. Das "Cassia Cottage", einst eine bedeutende Gewürzfarm vor der Kulisse des Regenwalds, ist heute ein Boutique-Hotel, das eine bezahlbare Portion Luxus an einem Traumstrand bietet – kitschige Palme mit Schaukel inklusive! Während es an den angrenzenden Strandabschnitten und deren Hotels deutlich wirbeliger zugeht, ist im "Cassia Cottage" absolute Ruhe angesagt. Highlights im "Cassia Cottage" sind der Privatstrand, die seriöse Strandbar (sogar mit Billard-Tisch), zwei Pools plus Infinitiy Pool, Massage-Möglichkeiten – und das Restaurant "Spice House" mit einer vielfältigen, exzellenten Küche. Hier lässt es sich prima ein paar Tage aushalten!

Unsere Route

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