Roadtrip durch Oregon

Oregon, USA / 2018

Malerische Strände an der rauen Pazifikküste, verträumte Fischerdörfer mit Walfänger-Charme, kulinarische Highlights an den Foodtrucks von Portland … genügend Gründe für einen ausgedehnten Roadtrip durch den "grünen" Staat Oregon.

Breiter Strand und Seefahrer-Romantik

01 / Von Brookings nach Bandon Beach

Je weiter wir der Küste von San Francisco aus nach Norden folgen, umso stärker verändert sich die Landschaft zusehends. Die Gegend wird immer rauer, felsiger, wilder – so haben wir uns die Oregon Coast in etwa vorgestellt. Doch wie sich bald herausstellen wird, wird uns die Natur Oregons noch mehr beeindrucken, als wir je geglaubt haben!

Zum Abschied aus Nord-Kalifornien begrüßt uns ein großer Vollmond am violett-blauen Morgenhimmel von Smith River. Wir folgen dem Highway 101 und passieren bei Brookings endlich die Grenze nach Oregon. Doch richtig Fahrt kommen wir erst gar nicht. Hinter jeder Kurve erwartet uns ein neuer Strand, eine neue Bucht, die sich gegenseitig zu überbieten scheinen und uns immer wieder zum Stoppen einladen.

Die nahegelegenen Wildfire vernebeln uns zwar im ersten Abschnitt die gute Sicht auf Buchten wie Gold Beach – doch ab Bandon Beach, einem endlosen breiten Sandstrand, klart die Luft endlich aus. Nichts als Sand und Pazifik, soweit das Auge reicht. Die Historische Altstadt von Bandon Beach versprüht alte Fischer- und Seefahrerromantik pur. Die zahlreichen Boutiquen und Kunstgalerien sowie lokal zubereitete süße Leckereien und Meeresfrüchtespezialitäten laden uns zu einer weiteren Pause ein, während am kleinen Hafen der Stadt die Fischerboote und Yachten gemütlich in der Sonne schaukeln.

Nach diesem schönen Oregon-Auftakt führt uns der Highway 101 von der Küste weg ins Landesinnere, dementsprechend wenig gibt es für uns zu sehen. Coos Bay, Winchester Bay, Reedsport mit seiner riesigen Dünenlandschaft, Florence … alles Orte, die wir schnell hinter uns lassen, weil es nicht viel zu sehen gibt.

Das Meer, so kraftvoll wir Thor's Hammer

02 / Cape Perpetua

Nun fängt Oregon an, Meile um Meile seine volle Pracht zu entfalten. An der zerklüfteten Küste peitscht der Wind riesige Wellen auf, die sich tosend an den Felsen brechen. Das Heceta Head Lighthouse oberhalb der Klippen scheint den Naturgewalten über alles erhaben zu sein.

Nur ein paar Meilen weiter, am Cape Perpetua, wagen wir uns runter bis an das Wasser, um die Kraft des Meeres aus nächster Nähe zu spüren. Hier liegt das berühmte Kliff „Thor’s Well“, eine Art Höhle, die den Klang der brechenden Wellen deutlich verstärkt. Mit einem lauten Donnern klatscht das Wasser an Land, und eine wuchtige Gischt benetzt unser Gesicht.

Wale direkt vor dem Strand

03 / Newport & Yaquina Head Lighthouse

Wir erreichen Newport, eine Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern, direkt an der Yaquina Bay gelegen. Als wir die große alte Bogenbrücke passieren, fällt unsere Aufmerksamkeit auf die Historic Bayfront. Spontan entscheiden wir uns, im benachbarten Agate Beach in einem gemütlichen Motel einzuchecken. So haben wir genug Zeit, den Fischern an der Oceanfront bei der Arbeit zuzusehen. Schließlich ist Newport für seine Krabben sehr berühmt! Doch nicht nur den Fischern scheint es hier gut zu gehen, sondern auch den Seelöwen. Wie am Pier 39 in San Francisco, aalen sich die dicken Säugetiere in der Sonne oder plantschen im Wasser.

Den nächsten Morgen beginnen wir mit einem ausgedehnten Spaziergang am Agate Beach, den wir früh nur mit einem Dutzend Möwen teilen müssen. Ansonsten ist hier niemand weit und breit zu sehen. Ehe wir unsere Fahrt nach Norden fortsetzen, machen wir einen Abstecher zum Yaquina Head Lighthouse, das direkt oberhalb des Agate Beach liegt. Dort angekommen, trauen wir unseren Augen nicht: Keine 50 Meter vom Strand entfernt sehen wir einen Buckelwal zwischen den Felsen hin- und herschwimmen, während sich unzählige Seelöwen wie faule Bojen genüsslich im Wasser treiben lassen.

Noch nie haben wir einen so großen Wal von Land aus beobachten können – wie sich herausstellt, wird das auch nicht der letzte Wal sein. Entlang der Oregon Coast entdecken wir immer wieder Buckelwale, die mit ihren riesigen Fontänen nicht zu übersehen sind, wie beispielsweise am "Rocky Creek State Scenic Viewpoint“. Hier zählen wir gleich 20 dieser Tiere!

Oregon von seiner schönsten Seite

04 / Cannon Beach

Immer wieder kommen wir durch sehr niedliche charmante Walfänger-Orte, wie Depot Bay, Lincoln City oder Pacific City. Nach Tillamook und Bay City erreichen wir schließlich Cannon Beach. Es ist ein kleiner Ort mit zahlreichen Cafés und Boutiquen, die zum Bummeln einladen. In einem Pub lassen wir uns bei einem Craft Beer von der Sonne wärmen, während "Mr. Crackles", die Hausmöwe des Pubs, uns Gesellschaft leistet.

Von hier aus ist es ein Katzensprung hinunter zum Cannon Beach, der mit einem wunderschönen Motiv auf uns wartet: dem Haystack Rock. Diese drei riesigen Felsen wirken sehr verloren an diesem breiten Sandstrand und ziehen vermutlich genau aus diesem Grund so viele Besucher an.

Graveyard of the Pacific

05 / Fort Stevens State Park

Am nördlichen Zipfel von Oregon erreichen wir den Fort Stevens State Park. Hier liegt das Schiffswrack der „Peter Iredale“, die 1906 in der Mündung des Columbia River wie viele andere Schiffe auch, auf Grund gelaufen ist. Mehr als 3.000 Schiffe sind auf dem Stück zwischen Newport und Vancouver Island in den letzten 300 Jahren gesunken, doch von nur 8 Schiffen sind Reste heute noch zu sehen. Die „Peter Iredale“ ist das am besten erhaltene – und tatsächlich ein schönes Fotomotiv.

VON HIER GEHT ES WEITER NACH

Washington State

In Astoria, in der Nähe des Fort Stevens State Parks, überqueren wir die Grenze nach Washington State. Wie grün und ursprünglich die Natur im Nordwesten der USA wirklich ist, erleben wir im Olympic Nationalpark mit seinen Regenwäldern, wilden Stränden und stürmischen Berggipfeln; und auch im Mount Rainier Nationalpark mit seinen riesigen Gletschern.

Lese weiter in unserem ausführlichen Bericht über Washington State, ehe wir nach Oregon und Portland zurückkehren!

Heimat der Foodtrucks – und unsere grösste Enttäuschung

06 / Portland

Nach unserer Tour rund um den Olympic National Park, und den Besuchen an den Vulkanen Mount Rainier und Mount St. Helens, sind wir wieder zurück in Oregon. Portland steht schon so lange auf unserer Reisewunschliste – schließlich ist es das Mekka der Foodtrucks (bis zu 600 soll es hier geben), des Craft Beers, und des guten Geschmacks.

Getreu dem Motto „Keep Portland weird“ werden hier Individualismus und Nonkonformität gefeiert. Freiheitssinn und Kreativität haben schon immer die Stadt und ihre Bewohner ausgemacht. Dabei herrscht bei einer Größe, die vergleichbar mit Metropolen wie Düsseldorf ist, ein provinzialisches Flair, das Portland eigentlich viel charmanter macht.

Bewusst sagen wir "eigentlich" – denn so wie gerade beschrieben, haben wir die Stadt erwartet. Doch wir sind enttäuscht. Einen ganzen Tag lang (von morgens um 8 Uhr bis abends um 19 Uhr) haben wir uns in Portland durch die Straßen bewegt: von der Alberta Street bis zum Pearl District mit Shops, Restaurants und Bars und über den Sunday Market, auf dem viele Kreative und Weniger-Kreative ihre Sachen präsentieren. Es hat einfach nicht gefunkt zwischen Portland und uns. Die Stadt ist geflutet von unzähligen Obdachlosen und ganz offensichtlich Drogenabhängigen, die oft unkontrolliert ihrem Rausch folgen. Wir haben schon so viele Städte in den USA besucht, doch nirgends haben wir uns so unwohl gefühlt wie hier.

Einen letzten Blick auf die Stadt erhaschen wir vom Pittock Mansion. Danach sind wir umso erleichterter, als wir die Stadt am Abend wieder hinter uns lassen können. In Beaverton, einem Vorort von Portland, fühlen wir uns wesentlich besser aufgehoben und finden hier die perfekte Gastronomie, die wir in Portland vergebens gesucht haben.

Living Ghosttown

07 / Shaniko

Wir lassen Portland hinter uns und folgen dem Columbia River stromaufwärts. Nur gut eine Stunde später erreichen wir Mount Hood, mit 3.400 Metern der höchste Berg in Oregon und ebenfalls ein Vulkan. Hier oben liegt die Timberline Lodge, in dem einst Jack Nicholson in der Verfilmung des Stephen King Klassikers "The Shining" wütete. Da der Gipfel jedoch in dichten Nebel gehüllt ist, reicht die Sicht keine 20 Meter weit.

So langsam neigt sich unsere Tanknadel dem Nullpunkt, als wir durch einen kleinen Ort namens Shaniko kommen. Gleich am Ortseingang finden wir eine Tankstelle – doch einen Tanklaster haben diesen Zapfsäulen schon lange nicht mehr gesehen. Shaniko ist eine "Living Ghost Town", in der immer noch ein paar Menschen leben, wenngleich sonst nicht mehr viel Leben in dem Städtchen herrscht. Wir folgen der Einladung einer älteren Dame, ihr ehemaliges Wohnhaus zu besichtigen, in dem wir unzählige Reliquien aus vergangenen Epochen entdecken.

Im benachbarten Café legen wir eine Pause ein und bekommen hier nicht nur den besten Kaffee seit langem, sondern auch das beste Eis! Wir fühlen uns wie in einem klassischen Roadmovie, denn außer uns ist hier schon seit längerer Zeit kein Besucher mehr durchgekommen. Umso aufgeschlossener und redseliger ist Tom, dem dieses Café gehört. Er erzählt uns etwas über die Geschichte des Städtchens und gibt es noch den Tipp, einen Blick in den alten Schuppen gegenüber des verlassenen Hotels zu werfen. Der Schuppen ist vollgequetscht mit alten Autos wie beispielsweise einem Studebaker von 1919. Keine Ahnung, warum niemand diese Schätzchen pflegen möchte.

Charmantes Städtchen am Columbia River

08 / Hood River

Die letzte Station auf unserer Oregon-Rundreise, ehe wir nach Seattle weiterreisen, heißt Hood River. Das beschauliche, charmante Städtchen am Columbia River ist eine Perle in Oregons. Hier wimmelt es nicht nur von Surfshops, netten Bakeries und Souvenirläden – Hood River ist vielmehr ein Mekka des Craft Beers. Auf 6.500 Einwohner kommen 5 Microbrauereien, die wir am Abend gleich alle ausprobieren. In der „Full Sail Brewery“ schaffen wir eine gute Grundlage mit deftigen Burgern, ziehen weiter über die „Double Mountain Brewery“ zum „Big Horse Brew Pub“. Das Craft Beer steigt uns schneller in den Kopf als wir erwartet haben, daher kürzen wir die Kneipentour jetzt ab und trinken in „Brian’s Pourhouse“ noch einen Absacker. In diesem niedlichen Restaurant hätten wir heute abend besser gleich einkehren sollen, denn das Essensangebot liest und riecht sich vielversprechend – und vor allem hätten wir uns damit vor dem Kater am nächsten Morgen bewahrt ;)

Über den Historic Highway 30 folgen wir dem Columbia River schließlich wieder Richtung Portland und steuern anschließend Seattle an.

Unsere Route

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© 2018 Hendrik Breuer & Rebecca Breuer