Quer durch Vietnam –
Teil 1: Der Süden

Vietnam / 2018

Ob mit dem Fahrrad über „Mr. Tiger Island“, früh morgens auf den Schwimmenden Märkten von Can Tho oder im quirligen Saigon – das Mekong-Delta im Süden Vietnams bietet ein authentisches Vietnam-Erlebnis, dicht am Alltag der Menschen, und ohne viel Tourismus …

Mit dem Boot über den Mekong nach Vietnam

01 / MEKONG

Etwas anders als geplant, sitzen wir ganz alleine mit zwei Vietnamesen auf einem Boot, das uns von Phnom Penh in Kambodscha über den Mekong nach Chau Doc in Vietnam bringen soll. Wie es dazu gekommen ist, habt ihr bestimmt ganz am Ende zu unserem Reisebericht zu Kambodscha gelesen. Nachdem wir unsere Pässe wieder in den Händen halten, biegt das Boot kurz hinter der Grenze in einen Seitenarm des Mekong ab, ein Shortcut nach Chau Doc, und endlich ist wieder Zivilisation in Sicht.

Mittlerweile hat die Sonne die saftig grüne Landschaft in ein sattes Gold getaucht, während wir einen ersten Eindruck des vietnamesischen Lebens bekommen. Vorbei an Dutzenden „Schwimmenden Häusern“, die auf dem Mekong treiben, beobachten wir Fischer bei ihrer Arbeit oder sehen Kindern beim Plantschen zu. Noch unsicher, ob wir auch in diesem braunen Mekong-Wasser baden würden, sind wir umso irritierter als wir sehen, dass die Menschen sogar im Fluss ihre Wäsche waschen. Aus den Dörfern zieht Rauch über den Fluss, die Sonne presst ihre letzten Strahlen durch den Nebel – was für eine malerische Szenerie! Wir sind sehr glücklich, auf diesem Weg nach Vietnam einzureisen und nicht anonym an einem Flughafen ausgespuckt zu werden.

Eine Stunde später erreichen wir Chau Doc und klettern erleichtert von Bord. Der laute Diesel hat unsere Ohren ganz schön zugedröhnt. Ehe wir hundemüde ins Bett des nahegelegenen Hotels fallen, halten wir noch an einem kleinen Restaurant an. Weder können wir die Karten lesen noch spricht hier jemand Englisch – kurzerhand bestellen wir einfach zwei Portionen Irgendwas mit vier eiskalten Bieren, und zahlen zusammen gerade einmal 3 Euro. Es schmeckt grandios!

Mr. Tiger Island per Fahhrad –
Vietnam hautnah

02 / LONG XUYEN

Am nächsten Morgen erwartet uns Ben, ein Süd-Vietnamese, der uns in den nächsten zwei Tagen begleiten wird. Wir lassen Chau Doc hinter uns und reisen weiter nach Long Xuyen, Richtung Mekong-Delta. Mit der Fähre setzen wir nach „Mr. Tiger Island“ über, eine kleine Insel mitten im Mekong. Der Sage nach (und davon haben die Asiaten einige!) wurde einst ein Tiger-Baby aus dem Mekong gerettet – aus Dankbarkeit hat er die Inselbewohner den Rest seines Lebens vor allem Übel beschützt. Eine Statue in der Inselmitte erinnert noch heute an ihn.

Per Fahrrad erkunden wir die Insel. Von allen Seiten hören wir ein freundliches „Xin Chao!“, gefolgt von erstaunten Blicken über den ungewöhnlichen Besuch von Europäern. Vorbei an Reisfeldern und unzähligen Bauernhöfen, fallen uns immer wieder eingesperrte Hähne am Wegesrand auf. Wie Ben uns erzählt, ist Hahnenkampf ein populärer Wettsport in Vietnam – zu unserem Bedauern. Immer wieder hören wir lautes Radio aus den Dörfern: Government Radio! Die vietnamesische Regierung verbreitet ihre News ganz klassisch über Radiomasten für diejenigen, die keines besitzen. Das ist (für uns) mehr als ungewöhnlich. Nach zwei Stunden haben wir die Insel komplett umrundet und freuen uns über die Einladung einer Familie, zu Mittag zu essen.

Can Tho – Hauptstadt des Mekong-Deltas

03 / CAN THO

Am Abend erreichen wir Can Tho, die Hauptstadt des Mekong-Deltas. Von der quirligen Uferpromenade aus beobachten wir das bunte Treiben auf dem Mekong, schlendern über den Food Market und haben von der großen Ong-Pagode einen tollen Blick über die Stadt. Wie Ameisen knattern hunderte Roller über die Kreuzung unter uns – diese Volksmobilmacher, Familienkutschen, Multifunktionsvehikel sind quasi der VW Käfer Asiens.

Der Hunger treibt uns in das nächstgelegene „Restaurant“, wenn man es so nennen möchte. Von Gemütlichkeit und Ruhe ist im „Thanh Van“ keine Rede, dafür sitzen wir unter Einheimischen mitten im Geschehen und bekommen, wie schon gestern, wieder ein superfrisches, superleckeres und supergünstiges Essen auf den Tisch. So darf es weitergehen!

Für Frühaufsteher: Cai Rang Floating Market

04 / CAI RANG

Bei Sonnenaufgang klettern wir in ein Boot, während an der Uferpromenade die älteren Damen zum gemeinsamen Tai Chi anrücken. Unser Ziel sind die Schwimmenden Märkte von Cai Rang: Aus der ganzen Region kommen die Landwirte auf dem Wasserweg nach Can Tho, um ihr Obst und Gemüse aus bis zum Rand gefüllten Booten zu verkaufen. Von Ananas über Mangos, Zwiebeln, Knoblauch oder Salat bis zu Melonen und Orangen wird alles angeboten, was sich die Küche vorstellen kann. Vorne an jedem Boot steckt ein Pfahl, auf dem die jeweils angebotenen Waren aufgespießt sind – so weiß jeder gleich, was der andere zu bieten hat. Schon jetzt ist uns klar, dass sich das Frühaufstehen gelohnt hat.

Zu Besuch in der Reisnudel-Manufaktur

05 / CAN THO

Ein kurzes Stück den Mekong hinab bringt uns Ben in ein kleines Dorf, zu einer Reisnudel-Manufaktur. In einem kleinen Familienbetrieb werden tagein tagaus in mühevoller Handarbeit die runden Platten für Reisnudeln auf dem Feuer zubereitet, ehe sie in der Sonne getrocknet und schließlich in einer Walze geschnitten werden. Was für ein hartes Leben, doch es scheint genügend Verdienst für die gesamte Familie abzuwerfen.

Saigon im Schnelldurchlauf

06 / SAIGON

Mit dem Gefühl, den Süden Vietnams auf eine sehr authentische, ehrliche Weise kennengelernt zu haben, geht es mit dem Auto weiter nach Ho-Chi-Minh-Stadt – oder auch Saigon, wie die Stadt früher hieß und von vielen Einheimischen auch heute noch genannt wird. Leider sind wir im Vorfeld eindringlich gewarnt worden, auf den Straßen Saigons vorsichtig zu sein, was unsere Habseligkeiten betrifft. Wir sind immer mit einem gesunden, aufmerksamen Verstand unterwegs, doch diese Warnungen verunsichern uns etwas. Das und die Tatsache, dass die letzten Tage ziemlich anstrengend waren, mindern die Lust auf Saigon enorm!

Wir haben ohnehin nur einen Nachmittag Zeit, ehe morgen früh der Flug nach Hué geht. Also stapfen wir einfach drauflos und schauen uns Saigon im Schnelldurchlauf an: Durch den riesigen Ben Thanh Market steuern wir den historisch bedeutsamen Wiedervereinigungspalast an (natürlich mit Zwischenstopp im Ben Thanh Street Food Market), über die Le Duan Allee zur Notre Dame of Saigon, vorbei am Posthaus, dem Rathaus und der Oper in Richtung Saigon Skydeck. Unsere Einstellung gegenüber Saigon verbessert sich nicht, als die nicht mehr zählbaren Roller sogar über die Bürgersteige heizen um schneller voranzukommen. Wir müssen nicht nur reichlich Abgase schlucken, sondern auch teilweise ziemlich knappe Situationen erleben.

Die Meinungen über Saigon gehen stark auseinander, wenn man die Reise-Blogs dieser Welt durchstöbert. Und vielleicht tun wir dieser Metropole Unrecht, aber wir werden mit Saigon nicht warm; wir können der stickigen Stadt einfach nichts abgewinnen. Umso erleichterter sind wir, als wir am darauffolgenden Tag im Flieger von Vietnam Airlines auf dem Weg nach Hué sitzen.

WEITER GEHT'S IN

Teil 2:
Zentral-Vietnam

Von der alten Kaiserstadt in Hue aus erkunden wir mit dem Fahrrad das Than Toan Village, begleiten einen Fischer bei der Arbeit und kochen mit Farmern ein vietnamesisches 5-Gänge-Menü. Weiter geht es über Da Nang nach Hoi An, in die Stadt der Lampions.

Natürlich darf ein Traumstrand auf der Insel Phu Quoc nicht fehlen …

Unsere Route

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte rechnen Sie 8 plus 4.
© 2018 Hendrik Breuer & Rebecca Breuer