Hong Kong

China / 2018

Auf unserer Reise in das asiatische New York erleben wir die Kontraste des modernen und traditionellen Chinas hautnah. Zu Fuß entdecken wir Stadtteile wie Kowloon, Tsim Sha Tsui, Causeway Bay oder den Central District mit ihrem Mix aus chinesischer Kultur, atemberaubender Skyline und allerhand Skurillitäten.

Schlaflos in Kowloon

01 / KOWLOON

Wir sind schon 30 Stunden auf den Beinen, als wir morgens um 9 Uhr in den Landeanflug von Lantau Island gehen, eine von 200 Inseln von Hong Kong, mit dem Internationalen Flughafen. Gespannt erhaschen wir einen ersten Blick auf das chinesische Festland, doch die für Hong Kong typische dicke Wolkendecke gibt nicht allzu viel preis. Die Einreise klappt problemlos, und schon sitzen wir im hypermodernen Airport Express, der uns 30 Minuten später mitten im "Dschungel" von Kowloon wieder ausspuckt: überall riesige Leuchtreklame, blinkende Schilder und bunte XXL-Plakate. Bunt, wild, laut, und gerade deshalb so cool – so heißt uns das New York City auf chinesisch willkommen.

An Schlaf ist nach der langen Reise nicht zu denken, unsere Körper sind voller Adrenalin und Neugierde – wir wollen sofort die Stadt erkunden. Kreuz und quer laufen wir durch die Straßen von Tsim Sha Tsui, und sind für den Moment völlig überwältigt von den Eindrücken. Auf den ersten Blick scheint die einstige Kronkolonie am Südchinesischen Meer sehr westlich, doch die chinesische Heimat ist unverkennbar: Schilder, die wir nicht lesen können; Tempel, wie wir sie nur von Fotos kennen; und Restaurants, deren Karten Speisen bieten, die für unseren Appetit sehr gewöhnungsbedürftig ist. Und doch hat die Chinesische und Kantonesische Küche viel Leckeres zu bieten – zum Beispiel Dim Sum – was (ohne Überraschung) nichts mit dem Angebot in den europäischen China-Restaurants gemeinsam hat.

36 Stunden auf den Beinen … jetzt wäre eine Pause gut. Im Kowloon Park finden wir etwas Ruhe, freuen uns über die teils bizarre Vegetation, und wundern uns über ebenso bizarre Warnhinweise, die das Wassersetzen von mitgebrachten eigenen Fischen, Schildkröten oder Wasservögeln verbieten. Denn: Chinesen lieben ihre Haustiere und wollen ihnen etwas Gutes tun, indem sie es z.B. in einem Teich schwimmen lassen – so wie wir mit unseren Hunden Gassi gehen.

Längst ist es dunkel geworden. Die Lichter der Stadt versetzen Hong Kong in eine ganz neue Atmosphäre. Wir haben für heute immer noch nicht genug: Nach 41 Stunden nehmen wir unsere ganze Kraft zusammen und streunen über die Nathan Road zum Night Market in der Temple Street; weniger um den Nachmarkt zu sehen, sondern fasziniert von den unzähligen Neon-Werbeanlagen, wie es sie heute nur noch selten gibt. Im Schauspiel der bunten Lichter beobachten wir das Treiben in den Garküchen, versuchen die Bildchen der Speisen zu entziffern, und spülen die Müdigkeit einfach mit einem kalten Tsing Tao herunter.

Hong Kong Island rauf und runter

02 / HONG KONG ISLAND

Am nächsten Morgen haben wir etwas Probleme, etwas "Frühstückbares" zu finden, denn Nudelsuppe oder Spring Rolls wollen so früh am Tag nicht durch unseren Hals. Irgendwo finden wir dann ein paar Backwaren samt Kaffee, und setzen von Harbour City mit der Fähre nach Hong Kong Island über. Im hügeligen Central District steuern wir ziellos durch enge, steile Gassen, bummeln über diverse Märkte und an mehr oder weniger kreativer Street-Art vorbei. Immer wieder stolpern wir dabei über den berühmtesten Sohn der Stadt: Bruce Lee.

Soviele Geschäftshäuser im Central District stehen, soviele Tempel und Tempelchen scheint es zu geben. An jeder Ecke finden sich kleine Orte der Huldigungen. Im Man Mo Tempel, einem der ältesten und berühmtesten Tempel in Hong Kong, ist die Luft vom Duft und Rauch der Weihrauchspiralen und Räucherstäbchen zum Schneiden dick. Der Rauch, so lernen wir später, soll die Gebete zu den Göttern tragen.

Trotz des wolkenvergangenen Himmels wollen wir als nächstes auf den 552 m hohen Victoria Peak. Von hier oben soll die Aussicht auf die Stadt fantastisch sein. Der Preis ist mit 52 HK$ pro Person (99 HK$ inkl. Zutritt zur Sky Terrace mit 360° Panorama View) ganz schön happig. Noch happiger ist die Wartezeit: Obwohl die Bahn alle 10-15 Minuten fährt, ist der Ansturm an Besuchern einfach riesig – oder anders formuliert: Die Organisation ist schlecht gemacht, denn immer wieder werden große Reisegruppen vorrangig behandelt, was unsere Wartezeit enorm verlängert. Nach gut einer Stunde Wartens geben wir entnervt auf.

Es gibt natürlich Alternativen zur Peak Tram, zum Beispiel den Bus oder ein Taxi. Auch ein (sehr steiler) Fußmarsch ist machbar, oder der Blick vom International Finance Center (IFC) – doch nach der verlorenen Zeit und bei dem wolkenverhangenen Himmel geben wir diese Pläne auf.

Stattdessen statten wir dem Goldfish Market in Mong Kok einen Besuch ab. Seit Jahrhunderten sind Goldfische nicht nur ein fester Bestandteil der Chinesischen Kultur, sondern auch ein Element im Feng Shui. Und so finden sich in zahlreichen Shops Hunderte von kleinen Fischen und Algen in mit Wasser befüllten Plastiktüten. Neben Fischen findet man hier auch Frösche, Hamster, Käfer, Schildkröten, Katzen und diverse andere Haustierchen. Ob die alle nur Haustiere sind oder irgendwann auf einem Teller landen, wollen wir nicht herausfinden – aber wir freuen uns über das bunte Szenario!

Hong Kong bei Nacht

03 / SYMPHONY OF LIGHTS

Am Abend machen wir uns auf den Weg zum Pier in Tsim Sha Tsui. Jeden Abend um 20 Uhr findet auf der gegenüberliegenden Seite „The Symphony of Lights“ statt. Dabei wird die gesamte Skyline auf Hong Kong Island im Takt der Klassischen Musik bunt angeleuchtet und verleiht der Stadt plötzlich einen Hauch von Las Vegas. Die Show ist zwar nicht so spektakulär wie erwartet, doch sie beweist wie schon der Night Market in Kowloon, dass Hong Kong vor allem nachts eine bunt schillernde Metropole ist.

Kultur pur: Chinesische Tempel und Gärten

04 / DIAMOND HILL

Das Thermometer ist mittlerweile von 20 auf 10 Grad gefallen – inklusive einem eisig kalten Wind. Darauf sind wir nicht vorbereitet, entsprechend unangenehm wird unser dritter Tag in Hong Kong. Eingekleidet in mehreren Schichten von Longsleeves, die wir eingepackt haben, lassen wir uns nicht erkälten.

Unser erstes Ziel heute ist der Sik Sik Yuen Wong Tai Sin Tempel auf der Südseite des Lion Rock. Er ist Heimstätte von gleich drei Religionen (Taoismus, Buddhismus und Konfuzianismus), und damit Anziehungspunkt für Gläubige, die mit Opfergaben um Glück, göttliche Führung und Wahrsagungen bitten. Die rot-golgenden Säulen, Dächer, Blumen und anderen Verzierungen sind eine wunderschöne optische Explosion für unsere Augen. Genau das haben wir von China erwartet!

Noch mehr Kultur(geschichte) finden wir im nahegelegenen Nin Lian Garden in Diamond Hill. Beim Betreten haben wir das Gefühl, als hätte jemand den "Mute-Knopf" gedrückt – von der Außenwelt ist plötzlich nichts mehr zu hören. Bei völliger Ruhe und Entspannung spazieren wir durch diesen wunderschönen Chinesischen Garten, vorbei an der Goldenen Pagode, bis zum Buddhistischen Chi Lin Nonnenkloster aus dem Jahre 600 n. Chr. Die elegante Holzarchitektur, liebevoll gehüteten buddhistischen Relikte und besänftigenden Lotusteiche bilden einen sehr starken Kontrast zu den umliegenden Hochhäusern. Wir fühlen uns in einer anderen Welt!

Leben auf wenigen Quadratmetern

05 / QUARRY BAY

Letzte Station auf unserer Hong Kong Reise: Montane Mansion in Quarry Bay. Dieses Hochhaus ist ein Relikt aus der 60er Jahre Architektur in Hong Kong und Synonym für den engen Lebensraum in dieser Metropole. In diesem "Monster Building" zählen wir nicht weniger als 400 Wohnungen, die wie Käfige verschachtelt in den Himmel ragen. Ein tolles Fotomotiv, doch ganz bestimmt kein Ort zum "Wohnfühlen".

Wäre das Wetter in diesen drei Tagen mehr auf unserer Seite, hätten wir Hong Kong von seiner allerschönsten Seite erlebt, und wir hätten noch mehr unternommen. Doch auch so ist der Besuch sehr bereichernd für unsere Köpfe (und Bäuche). Wie nach jedem Großstadt-Besuch sind wir nach einigen Tagen froh, den Trubel der City hinter uns lassen zu können. Morgen früh geht es weiter nach Kambodscha, dementsprechend freuen wir uns auf warmes Wetter, viel Kultur– und etwas Ruhe.

Unsere Route

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte addieren Sie 3 und 7.
© 2018 Hendrik Breuer & Rebecca Breuer