Andalusien Roadtrip

Spanien / 2017

Auf unserem Roadtrip von Sevilla über Cádiz und Ronda bis nach Marbella und Málaga entdecken wir die malerischen Städte und Landschaften Andalusiens. Beeindruckendes Highlight ist die über 200 Jahre alte Puente Nuevo in Ronda, die die El Tajo Schlucht überspannt.

Roadtrip von der Algarve nach Andalusien

01 / Andalusien

Der Sommer in diesem Jahr hat uns ziemlich im Stich gelassen. Grund genug, im stürmischen Herbst noch etwas Sonne zu tanken. Außerdem sind wir im Moment die lange Fliegerei etwas leid, deshalb haben wir uns zu einen Roadtrip im Süden Europas entschieden.

Wie du im Reisebericht über Portugal und die Algarve lesen kannst, lassen wir auf unserem Roadtrip in Südeuropa Lissabon, die wilde Westküste Portugals und die Algarve hinter uns und erreichen schon bald Sevilla, die Hauptstadt Andalusiens. Wie schon in Lissabon, haben wir mitten im Altstadtviertel ein sehr geräumiges und komfortables Zimmer über Airbnb gefunden – in einem wunderschönen Haus mit typisch spanischem Patio. Ein perfekter Ausgangspunkt für eine Entdeckungstour durch Sevilla!

Flamenco, Historie und Tapas

02 / Sevilla

Bei der Ankunft in Sevilla sind wir zunächst überfordert: In einem Labyrinth von engen Gassen versuchen wir, durch verschachteltn Einbahnstraßen einen Weg ins Zentrum der Altstadt zu bahnen. Eigentlich haben wir einen ausgeprägten Orientierungssinn – doch Sevilla zeigt uns unsere Grenzen auf. Dank Google Maps finden wir schließlich zum gefühlt engsten Parkhaus der Welt, folgen im Zickzack den Gassen zur Airbnb-Unterkunft, und stürzen uns anschließend in den Trubel der Innenstadt.

Die Schönheit Sevillas zieht uns sofort in den Bann, denn die von der UNESCO als Weltkulturerbe geschützte Altstadt beeindruckt mit ihrer Architektur aus Zeiten der Mauren und Römer. Überall stoßen wir entlang der gepflasterten Gassen auf idyllische Plätze, Innenhöfe und Kirchen. Mittendrin: die im gotischen Stil errichtete Kathedrale „Santa María de la Sede“ mit dem riesigen Glockenturm La Giralda.

Gleich gegenüber befindet sich das Alcázar von Sevilla, der Königspalast, in dem maurische und christliche Stilelemente aus vielen Jahrhunderten in einem spektakulären Bauwerk zusammenfließen. Sollen wir uns wirklich in die lange, sehr lange Schlange stellen? Ja, wir warten – und es lohnt sich: Der Palast ist einzigartig, wunderbar filigran und ziemlich fotogen. Eine kleine Welt für große Märchenliebhaber. Die vielen kleinen Details, Muster, gut erhaltenen Schnitzereien und Farben verzaubern. Und dann dieser Palastgarten! Eine ausgedehnte Grünanlage mit vielen kleinen Brunnen, Alleen, Bänken, Palmen, Bäumen und Pavillons. Und von fast jeder Ecke aus ist der Glockenturm der Kathedrale sichtbar.

Ein krasser Gegensatz zu dieser Historie ist das Metropol Parasol, ein hypermodernes, prachtvoll geschwungenes Bauwerk, nordwestlich in der Altstadt gelegen. Das aus Furnierschichtholzplatten in quadratischen Kassetten angeordnete Konstrukt bietet von seiner Dachterrasse aus einen fantastischen Weitblick über die Dächer Sevillas.

Spaniens Kampf mit dem Stierkampf –
Wir wollen’s wissen!

03 / Sevilla

Nach einem Lunch in einer der fantastischen Tapas-Bars schlendern wir weiter durch die Gassen bis zum Fluss Guadalquivir. Hier folgen wir etwas dem Ufer und kommen so zufällig an die weltberühmte Stierkampfarena La Maestranza. Wir sind beeindruckt von dem majestätischen Bauwerk mit seiner weiß-gelben Fassade, und gleichzeitig angewidert von dem Gedanken, dass hier Tiere zum Vergnügen gequält und getötet werden. Warum hat der Stierkampf eine so große und lange Tradition? Was reizt die Menschen am Stierkampf? Und wie läuft so eine Zeremonie eigentlich ab? Fragen, denen wir auf den Grund gehen wollen – um uns ein Bild machen und besser urteilen zu können.

Wir schließen uns einer 40-minütigen Tour durch das Museum an, auf der wir viel über die Geschichte, Tradition, Kleidung der Matadore, und Abläufe erfahren. Am Ende stehen wir selbst mitten in der Arena und bekommen ansatzweise einen Eindruck, wie es sich anfühlt, als Torero von 30.000 Zuschauern angefeuert zu werden. In den Banden der Arena erkennen wir eindeutige Macken, die von den Hörnern der Stiere stammen. Jetzt verstehen wir wesentlich besser, warum die Tradition und Begeisterung des Steierkampfes weiterhin ungebrochen ist – doch es ändert nichts an der Tatsache, dass hier Tiere auf bestialische Weise gequält und getötet werden … für im Grunde nichts! Und so kehren wir mit einem sehr schlechten Gefühl der Arena den Rücken und schämen uns, mit unserem Eintrittsgeld den Steierkampf unterstützt zu haben.

Cádiz im Süden – Das Havanna Andalusiens

04 / Cádiz

Wir lassen Sevilla hinter uns und fahren weiter zum südlichsten Punkt auf der Iberischen Halbinsel, nach Cádiz. Wir passieren das große Stadttor und umrunden zunächst die Altstadt-Insel, entlang der Küstenlinie. Die bunten Fassaden erinnern uns ein wenig an das farbenfrohe kubanische Havanna und den Malecón. Dann tauchen wir ein in die Altstadt, die mit historischen Bauwerken den Glanz der einstigen Handelsmetropole von Römern, Phöniziern und Mauren wiederaufleben lässt. In einem Gewirr von engen Gassen und zwischen alten Gemäuern spüren wir die andalusische Lebensart. Blickfang schlechthin ist die imposante Kathedrale mit ihrer mächtigen Kuppel und den zwei Türmen. Cádiz gefällt uns richtig gut und ist den Abstecher an die Küste auf jeden Fall einen Bummel wert.

Von hier aus geht es weiter nach Nordosten, in die Sierra de Grazalema. Doch bevor wir die Berge erreichen, kommen wir zufällig an der Rennstrecke von Jerez vorbei. Als alte Motorsportfans haben wir schon zahlreiche Rennstrecken auf der Welt besucht, und so lassen wir es uns nicht nehmen, auch hier einen Blick auf die Piste zu werfen. Wir haben Glück, an diesem Wochenende finden Motorrad-Rennen der 150 ccm Klasse statt – und der Eintritt ist sogar frei. Wir dürfen sogar in das Fahrerlager und in die Boxengasse, um so hautnah an den schnellen Maschinen und dem Lärm der Motoren dran zu sein. Mit dem Geruch von Benzin und Gummi in der Nase treten wir schließlich die Weiterfahrt nach Ronda an.

Das weisse Dorf im Herzen Andalusiens

05 / Ronda

Andalusien ist vor allem für seine atemberaubende Natur und die wunderschönen weißen Dörfer bekannt. Eines der andalusischen Highlights ist das Städtchen Ronda, dass im Laufe der Jahre und Jahrhunderte zu einem der legendärsten Orte in ganz Andalusien geworden ist. Ehrlich gesagt: Ein Geheimtipp ist die Stadt schon lange nicht mehr. Trotzdem gehört ein Ausflug nach Ronda zu jeder Andalusienreise dazu.

Ronda liegt auf einem hohen Felsplateau, wobei die Altstadt und die Neustadt von der 100 Meter tiefen El Tajo Schlucht voneinander getrennt sind. Verbunden sind die beiden Stadtteile von einem der spektakulärsten Brücken, die wir je gesehen haben: der Puente Nuevo. Rondas einzigartige Brücke ist mittlerweile über 200 Jahre alt und könnte problemlos eine Filmkulisse in "Game of Thrones" oder "Der Herr der Ringe" sein. Ihr Bau dauerte fast 50 Jahre und ist schlichtweg ein Meisterwerk der Baukunst. Von der Altstadt aus beginnen wir den Abstieg in die Schlucht und beobachten, wie die untergehende Sonne die Brücke und die Felsen in ein saftiges Gold tauchen.

Am nächsten Tag machen wir uns auf kleine Entdeckungsreise durch La Cuidad, wie Rondas Altstadt heißt. Ein malerisches spanisches Gewirr aus Gassen, Cafés und weißen Häusern. Wir atmen tief durch, denn obwohl die Altstadt bei einem Ronda-Besuch nicht fehlen darf, verirren sich erstaunlich wenig Besucher in diesen Teil der Stadt.

Enttäuschung an der Costa Del Sol

06 / Costa Del Sol

Unser Roadtrip neigt sich langsam dem Ende. Nach knapp 1.000 Klimotern in neun Tagen wollen wir an der sonnenverwöhnten Mittelmeerküste noch etwas Sommer tanken. Schließlich ist es Ende Oktober noch angenehm warm und nicht zu heiß.

Wir legen einen Zwischenstopp im mondänen Marbella ein – ganz offensichtlich ein Platz der Schönen und Reichen. Und leider auch des Massentourismus. Auch wenn die Altstadt ganz hübsch ist, hier fühlen wir uns ganz und gar nicht wohl und sind verwundert über Marbella – das hatten wir uns deutlich schöner und gemütlicher vorgestellt. Schnell lassen wir den Ort hinter uns und folgen der Küste nach Nordosten. Was wir sehen, macht uns nicht glücklicher: luxuriöse Häuser und Bettenburgen wechseln sich ab. Von unserer Vorstellung einer schönen Küste, an der wir gerne Urlaub machen würden, ist das weit entfernt.

Der Eindruck wird nicht besser, als wir unsere letzte Station Málaga erreichen. Die Stadt empfinden wir als erstaunlich dreckig und zudem völlig überlaufen, kein Vergleich zu Sevilla. Im Vergleich zum restlichen Andalusien, das wir gesehen haben, ist die Costa del Sol gar nicht nach unserem Geschmack. Macht aber nichts, denn alle anderen Eindrücke überwiegen!

Unsere Route

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© 2018 Hendrik Breuer & Rebecca Breuer